Prozesse kontinuierlich verbessern und nachhaltig steuern

Was haben persönliche Diätpläne und Programme zur Prozessoptimierung gemeinsam? Sie starten mit großem Engagement und zeigen schnell erste messbare Erfolge auf. Aber leider gelingt es oftmals nicht, dies zu einer nachhaltigen Verbesserung zu führen und man fällt in alte Muster zurück.

 

Beispielhafte Herausforderungen an die Prozesse

Beispielhafte Herausforderungen an die Prozesse

Der direkte Weg zurprozessorientierten Unternehmensführung geht über die Prozesse. Einzelne Prozesse werden dann in den Blick genommen, wenn z.B. die Qualität nicht stimmt, die Kundenanforderungen sich maßgeblich verändert haben, oder aber die Kosten nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Dann ist es notwendig Prozessoptimierungen vorzunehmen, um z.B. die Effizienz zu steigern oder die Qualität zu erhöhen.

Methoden wie KVP, Lean Management, Six Sigma oder Total Quality Management liefern einen großen Mehrwert für die Unternehmen, bieten sie doch systematische Vorgehensweisen, um Prozesse zu messen, zu optimieren oder neu auszurichten. Viel Potenzial wurde damit bereits gehoben.

Nachdem diese Methoden im Unternehmen etabliert sind und bereits über einen gewissen Zeitraum angewendet werden, treten jedoch oftmals neue Fragen auf, die über die Betrachtung einzelner Prozesse hinausgehen:

  • Wie bleibt eine einmalige Prozessverbesserung nachhaltig wirksam?
  • Wie lassen sich bereichsübergreifende Prozesse in den Blick nehmen, anstatt bei den Bereichsprozessen stehen zu bleiben?
  • Wie entwickelt man eine gesamthafte Sicht auf die Prozesse und ihre Schnittstellen untereinander?
  • Wie lässt sich eine kontinuierliche Steuerung der Prozesse umsetzen?
  • Wie verankert man das Prozessmanagement in der Organisation?

Es müssen Konzepte entwickelt und umgesetzt werden, die über die einzelne Prozessverbesserung hinausgehen und die Prozessorientierung auch in der Organisation weiter stärken.

Die prozessorientierte Unternehmensführung befasst sich u.a. mit diesen Fragen und stellt auch Antworten bereit. In einer prozessorientierten Organisation ist u.a. Folgendes umgesetzt:

  • Es sind Ende-zu-Ende-Prozesse dokumentiert, die auch über Bereichsgrenzen hinweg  die Leistung für den Kunden erbringen.
  • In einer Prozesslandkarte und einem durchgängigen Prozessmodell ist ein Orientierungrahmen geschaffen, der jedem Prozess seinen Platz zuweist und vor allem auch die Schnittstellen zwischen den Prozessen transparent macht.
  • Den Prozessen sind verantwortliche Führungskräfte zugewiesen, die sich kontinuierlich um deren Ausführung und Optimierung kümmern. Die Prozessverantwortlichen sind mit ausreichenden Kompetenzen ausgestattet, um prozessbezügliche Entscheidungen zeitnah zu treffen. Die Zusammenarbeit mit den Führungskräften der funktionalen Aufbauorganisation ist geregelt.
  • In einer Prozessmanagement Governance ist geregelt, wie die prozessorientierte Organisation gestaltet ist und geführt wird. Ein zentrales Prozessmanagement Team ist verantwortlich für deren kontinuierliche Weiterentwicklung und Umsetzung.

Kontinuierliche und nachhaltige Prozesssteuerung läßt sich also nur erreichen, wenn dies auch durch eine Stärkung der Prozessorientierung in der Organisation unterstützt wird. Genauso wie sich das Traumgewicht auch nur durch eine langfristige Änderung der Ess- und Bewegungsgewohnheiten halten läßt :-).

  • Lieber Herr Feddern,

    den von Ihnen an mehreren Stellen in Ihrem Artikel erwähnten bereichsübergreifenden Blick halte ich für enorm wichtig. Ich habe den Eindruck, dass bei Prozessen zu oft zu klein gedacht wird. Wir betrachten bis ins letzte Detail, was wir in unserer eigenen Abteilung machen. Alles wird sauber dokumentiert. Die Probleme tauchen dann an den Schnittstellen auf. Dabei ist es ja gerade die Idee der Prozessorientierung die Silos zu durchbrechen und in End-to-End-Prozessen zu denken.

    Viele Grüße, Andreas Bungert

  • Hallo Herr Feddern,

    ich glaube auch, dass die Nachhaltigkeit natürlich ein entscheidener Punkt ist. Im Normalfall werden die Prozesse ja modelliert und als verbindliche Prozessbeschreibung veröffentlicht. Das ist natürlich schon einmal der erste Schritt. In der Praxis haben diese verbindlichen Prozessbeschreibungen auch eine hohe Akzeptanz, wenn sie einfach gehalten werden. Daher könnte man mit einer einfachen Modellierung bzw. mit einer einfachen Prozessbeschreibung auch optimierte Prozesse gut etablieren. Optimal ist natürlich, wenn Prozesse automatisch ablaufen.

    Vielen Grüße,

    Gerold Tholen