Fraunhofer IAO veröffentlicht Studie zu BPM Tools

Forscher vom Fraunhofer IAO haben eine Studie veröffentlicht, in der 28 Anbieter und BPM Werkzeuge miteinander verglichen werden. Trotz der über 270 Seiten ist es eine Rahmenstudie, die den Weg bereitet für kommende Schwerpunktstudien zu den Themen (1) Social BPM, (2) Compliance in Geschäftsprozessen und (3) Überwachung von Geschäftsprozessen. Um den Rahmen zu setzen werden Begriffe geklärt, wie BPM Lifecycle  und die Schwerpunktbegriffe für die kommenden Studien. Zu den Anbietern gibt es vor allem Überblicke zu Größe, unterstützten Modellierungssprachen und Kundenbasis. Der Großteil der Studie besteht aus den Anbieterinformationen, die bis zu 4 Seiten je Anbieter ausmachen.

Jahrelang nichts und dann das….

Damit ist diese IAO-Veröffentlichung nach unserer Studie BPM-Toolmarktmonitor (erschienen am 13.05.14)  die zweite umfassende Betrachtung von BPM Werkzeugen. Ergänzend zu unserer BPM&O-Studie gibt es in der Fraunhofer-Studie eine hilfreiche Übersicht zu den Einschränkungen vorhandener Demo-Versionen.

Erfrischend ist die wissenschaftliche Struktur, die Betrachtung von Vorarbeiten (sogar unsere letzten zwei BPM&O-Studien wurden erwähnt) und die Begriffsklärung unter Referenz auf wissenschaftliche Standardwerke. Während mich diese Dinge sehr freuen, mag es aufgrund der schieren Menge für gehetzte Leser eher schwierig zu erfassen sein. Ich habe eine Weile gebraucht, um zu verstehen, was ich aus der Studie ziehen kann und was nicht.

Weniger gut umgesetzt finde ich, dass hier wieder einmal Werkzeuge für das fachliche Prozessmanagement, also für die prozessorientierte Unternehmensführung, mit Automatisierungsplattformen verglichen werden. Sogar ein Dienstleister für Process Mining ist dabei. Dadurch werden Äpfel mit Birnen verglichen und kein Szenario in sinnvoller Tiefe abgebildet. Zum Beispiel können alle vorgestellten BPM-Tools modellieren, aber wer bitte schön hat ein Portal und Freigabeworkflows? Solche Informationen werden nicht strukturiert aufbereitet, denn das würde – sagen auch die Autoren – den Rahmen der 270-Seiten Studie sprengen.

Meiner Meinung nach geht eine wichtige Orientierung verloren, wenn man alle BPM Werkzeuge in den gleichen Topf wirft und kein Augenmerk auf die Ausrichtung des BPM Vorhabens legt. Prozessmanagement ist glücklicherweise inzwischen eine sehr reichhaltige Disziplin. Die Werkzeuge folgen jeweils eigenen Philosophien und konzentrieren sich auf konkrete Nutzungsszenarien. Darum sollte man aber auch nicht versuchen, alle in einer Studie durch die Einheitsmangel zu drehen.

Den darauf aufbauenden Schwerpunktstudien wird das aber sicherlich keinen Abbruch tun, da sie sich intensiv mit Teilaspekten von BPM Software auseinander setzen werden. Ich jedenfalls bin gespannt auf die kommenden Fraunhoferstudien.

In unserer Marktstudie vergleichen wir 22 BPMA-Tools von Anbietern aus dem deutschsprachigen Raum. Hier gelangen Sie zum kostenfreien Download des BPM-Toolmarktmonitor der BPM&O GmbH.

Ich freue mich über Ihr Feedback. Schreiben Sie mir gerne hier im Blog!

  • Haldun Kemal Bayrak

    Download Link is not working.

    • Hallo Herr Bayrak,
      danke für den Hinweis. Wir haben den Download-Link korrigiert.
      Beste Grüße, Thomas Urbaniak

      **** Download Link is now working ****

  • Thomas
    Danke für diesen Blogeintrag. Wirlich hilfreich wie die beiden Studien / Assessments verglichen werden. Interessant ist auch Dein Hinweis:

    „Meiner Meinung nach geht eine wichtige Orientierung verloren, wenn man alle BPM Werkzeuge in den gleichen Topf wirft und kein Augenmerk auf die Ausrichtung des BPM Vorhabens legt. … Die Werkzeuge folgen jeweils eigenen Philosophien und konzentrieren sich auf konkrete Nutzungsszenarien.“

    Thomas, leider konnte ich den Link zur Fraunhofer in Deinem Beitrag nicht finden… nach kurzer Suche, hier ist er für Deine Leser ===> http://www.swm.iao.fraunhofer.de/de/Publikationen/business-process-management-tools-2014.html

    Danke. Urs

    Das heisst natürlich, dass es für Leser schwierig ist, ohne Angaben zur Ausrichtung des BPM Vorhabens die Evaluierung der Werkzeuge im Fraunhofer Bericht in einen Kontext zu setzen.

  • @ Urs, sehr gerne! Wobei der Artikel nicht von mir stammt, sondern von meinem Kollegen Dr. Alexander Lübbe. Der Link war übrigens ganz oben im ersten Satz unter „Studie“ aufgeführt. Offenbar müssen die Links besser hervorgehoben werden… Ich arbeite dran. Viele Grüße, Thomas

  • Christian Staab

    Hallo Herr Lübbe,

    ich stimme Ihnen uneingeschränkt zu, würde aber die Kritik an der jetzigen Fraunhofer-Studie vor allem im Vergleich zur 2011 veröffentlichten Variante noch deutlich erweitern. Denn das bloße Aneinanderreihen von Informationen, die ich mir auch problemlos von der Herstellerwebseite ziehen kann, rechtfertigt meiner Meinung nach nicht die Bezeichnung „Studie“. Schaut man sich die 2011 veröffentlichte Variante an, wird einem das nahezu inhaltsleere Blabla der diesjährigen Version erst richtig bewusst. Wurden 2011 noch die Funktionen der einzelnen Tools aufgeführt und verglichen – was diese endlich einigermaßen vergleichbar gemacht hat und meiner Meinung nach ein Meilenstein unter den BPM-Studien war – so werden heute beispielsweise Kundengruppen aufgelistet und die Produktbroschüren der Hersteller gezeigt. Aha…. Großartig… Was für eine phänomenale Verschwendung von Steuergeld! Die dort enthaltenen Informationen kann ich mir auch in ein paar Minuten selbst zusammenklicken, mit Wissenschaft hat das nichts zu tun. Und wie sie schon sehr treffend geschireben haben werden dort Äpfel mit Birnen verglichen…
    Auch ich bin gespannt auf die kommenden Fraunhofer-Studien, hoffe aber, dass diese wieder das Niveau der Studie von 2011 erreichen..